Nikotinabusus ist ein medizinischer Fachbegriff, der schädlichen Nikotinkonsum – in der Regel durch das Rauchen von Zigaretten – klinisch dokumentiert. Wer diesen Begriff im Arztbrief liest, weiß nun: Der behandelnde Arzt hat den Nikotinkonsum als relevanten Gesundheitsrisikofaktor erfasst. Im ICD-10-GM-System wird schädlicher Gebrauch unter dem Code F17.1 und das Abhängigkeitssyndrom unter F17.2 kodiert.
Dieser Artikel erklärt, was Nikotinabusus im Arztbrief bedeutet, wie Packungsjahre (z. B. 20 PY, 30 PY oder 40 PY) Ihre Rauchhistorie abbilden und welche konkreten Schritte Sie nach einem entsprechenden Eintrag in Ihrer Patientenakte unternehmen können.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nikotinabusus bedeutet „schädlicher Nikotingebrauch". Ärzte verwenden diesen Fachbegriff in Befundbriefen, um gesundheitsschädigenden Nikotinkonsum – meist durch Zigaretten – standardisiert zu dokumentieren. Es handelt sich um einen Risikohinweis, nicht um eine eigenständige Erkrankung.
- Zwei ICD-10-GM-Codes sind relevant. F17.1 steht für schädlichen Gebrauch ohne vollständige Abhängigkeit; F17.2 beschreibt das Nikotinabhängigkeitssyndrom.
- Packungsjahre (PY) messen die Rauchbelastung über die Lebenszeit. Werte von 20 PY, 30 PY oder 40 PY geben an, wie stark Ihr Körper langfristig belastet wurde. Ab 15 Packungsjahren und mindestens 25 Raucherjahren können gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 75 Jahren ab April 2026 an der kostenlosen Lungenkrebsfrüherkennung teilnehmen (G-BA-Beschluss vom Juni 2025).
- „Z.n. Nikotinabusus" bedeutet: Sie haben bereits aufgehört. Der Körper beginnt sofort nach dem Rauchstopp mit der Erholung, und die Risiken sinken mit der Zeit deutlich.
Was bedeutet Nikotinabusus?
Nikotinabusus beschreibt den regelmäßigen, gesundheitsschädigenden Konsum von Nikotin. Ärzte verwenden diesen Begriff in Arztbriefen, Befundberichten und Diagnosen, um das Rauchverhalten eines Patienten klar und einheitlich festzuhalten.
Der Begriff ist dabei keine moralische Wertung, sondern eine klinische Zustandsbeschreibung – nicht mehr und nicht weniger. Zu beachten ist, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im ICD-10 bewusst die Formulierung „schädlicher Gebrauch" gegenüber dem älteren Begriff „Missbrauch" bevorzugt, um die gesundheitliche Dimension in den Vordergrund zu stellen.
Herkunft und Bedeutung des Begriffs

Der Begriff Nikotinabusus setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „Nikotin" (der Wirkstoff in Tabakprodukten und Nikotinbeuteln) und „Abusus" (lateinisch für Missbrauch oder schädlicher Gebrauch). Im medizinischen Sprachgebrauch steht Nikotinabusus damit für „schädlichen Nikotingebrauch".
Der Begriff ist im gesamten deutschsprachigen Medizinbereich gebräuchlich – in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen. Er gilt als präzise und ist international verständlich. Findet sich im Arztbrief der Eintrag „Nikotinabusus", hat der Arzt dokumentiert, dass aktuell oder in der Vergangenheit Nikotin in einem gesundheitsschädigenden Ausmaß konsumiert wurde. Das Synonym Nikotinmissbrauch wird gelegentlich gleichbedeutend verwendet.
Nikotinabusus vs. Nikotinabhängigkeit: Was ist der Unterschied?
Nikotinabusus und Nikotinabhängigkeit (auch: Nikotinsucht) sind verwandt, aber nicht identisch.
Nikotinabusus bedeutet, dass Nikotin in einer Weise konsumiert wird, die der Gesundheit schadet. Nikotinabhängigkeit geht weiter: Sie beschreibt eine körperliche und psychische Abhängigkeit, bei der das Verlangen nach Nikotin stark ausgeprägt und schwer kontrollierbar ist. Beim Versuch, den Konsum zu reduzieren oder ganz aufzuhören, können Entzugserscheinungen auftreten – etwa Reizbarkeit, Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten. Der Grund: Das Gehirn hat sich biochemisch an die Substanz gewöhnt. Beiden Zuständen entsprechen unterschiedliche ICD-10-Codes. Nikotinabusus kann ohne Abhängigkeit vorliegen; in vielen Fällen bestehen jedoch beide gleichzeitig.
Was bedeutet Nikotinabusus im Arztbrief?
Steht Nikotinabusus im Arztbrief, hat Ihr Arzt einen Gesundheitsrisikofaktor dokumentiert. Das Rauchen oder der Konsum anderer Nikotinprodukte wird als klinisch relevanter Befund gewertet, der Diagnose, Behandlung oder Nachsorge beeinflussen kann.
Diese Dokumentation ist Routinepraxis. Ähnlich wie Bluthochdruck oder Übergewicht wird Nikotinabusus im Befund festgehalten, damit andere Behandler beim nächsten Kontakt oder bei einer Überweisung sofort erkennen, welche Risikofaktoren vorliegen. Viele Patienten sehen den Begriff zum ersten Mal auf einem Befund und sind überrascht – dabei ist damit kein persönliches Urteil verbunden.
Was der Eintrag konkret für Sie bedeutet, hängt von Ihrem individuellen Fall ab. Manchmal dient er nur der Dokumentation. In anderen Fällen kann er Anlass für eine Rauchentwöhnungsberatung oder weiterführende Diagnostik sein. Ob Nikotin als Stimulans oder Depressivum wirkt, ändert nichts an seiner Einordnung im Befundbericht.
Nikotinabusus ICD-10: Die Diagnosecodes erklärt
Der ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision) wird in Deutschland als ICD-10-GM (German Modification) für alle offiziellen Diagnosen und Abrechnungen verwendet. Für die Dokumentation von schädlichem Nikotingebrauch und Abhängigkeit sind zwei Codes besonders relevant.
F17.1 – Schädlicher Gebrauch von Tabak
Der ICD-10-GM-Code F17.1 steht für „Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Schädlicher Gebrauch". Er wird vergeben, wenn der Nikotinkonsum zu nachweisbarem körperlichem oder psychischem Schaden geführt hat.
Bei F17.1 liegt noch keine vollständige Abhängigkeit vor. Ihr Arzt bestätigt damit, dass das Rauchen Ihre Gesundheit schädigt, aber die Kriterien einer Nikotinabhängigkeit noch nicht vollständig erfüllt sind. Wichtig: Im ambulanten Bereich wird dem ICD-Code in Deutschland ein Zusatzkennzeichen angefügt (G = gesicherte Diagnose, V = Verdachtsdiagnose, Z = Zustand nach, A = Ausschlussdiagnose). Dieses Kennzeichen beeinflusst, wie der Eintrag zu lesen ist.
F17.2 – Abhängigkeitssyndrom
Der ICD-10-GM-Code F17.2 beschreibt das Nikotinabhängigkeitssyndrom: Körper und Psyche sind auf Nikotin angewiesen. Für die Diagnose müssen mindestens 3 der folgenden 6 Kriterien im selben 12-Monats-Zeitraum gleichzeitig erfüllt gewesen sein:
- Starkes Verlangen oder Zwang, Nikotin zu konsumieren
- Verminderte Kontrolle über Beginn, Beendigung oder Menge des Konsums
- Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder -reduktion
- Toleranzentwicklung (zunehmende Mengen nötig, um denselben Effekt zu erzielen)
- Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Rauchens
- Fortgesetzter Konsum trotz nachgewiesener gesundheitlicher Schäden
F17.2 kann Auswirkungen auf Versicherungsleistungen, Facharztüberweisungen und die Art der Behandlung haben. Während F17.1 schädlichen Gebrauch dokumentiert, beschreibt F17.2 eine anerkannte Abhängigkeitserkrankung.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Ihr Körper Nikotin aufnimmt, lesen Sie unseren Artikel zur Nikotinaufnahme. Wer wissen möchte, woher Nikotin kommt und wie es hergestellt wird, findet dort alle Hintergrundinformationen.
| Code | Bezeichnung | Was er aussagt | Konsequenz |
| F17.1 | Schädlicher Gebrauch von Tabak | Gesundheitsschädigender Konsum, noch keine vollständige Abhängigkeit | Risikodokumentation, Beratung zur Entwöhnung |
| F17.2 | Abhängigkeitssyndrom | Bestätigte Nikotinabhängigkeit (körperlich und psychisch) | Behandlungsempfehlung, ggf. Therapieanspruch |
Formen des Nikotinabusus: Chronisch, fortgesetzt und Z.n. erklärt
Im Arztbrief steht selten nur das Wort „Nikotinabusus" allein. Ärzte ergänzen häufig beschreibende Zusätze, die Muster und Dauer des Konsums präzisieren. Diese Zusätze verändern die Bedeutung spürbar.

Chronischer Nikotinabusus
Steht im Befund chronischer Nikotinabusus, bedeutet das einen langjährigen, dauerhaften Nikotinkonsum. „Chronisch" meint hier: anhaltend über einen längeren Zeitraum. Wer beispielsweise seit 15 Jahren täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, kann diese Einordnung erhalten. Die Langzeitbelastung erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD und Lungenkrebs – ein Rauchstopp kann das Risiko jedoch auch nach langen Raucherjahren noch deutlich senken.
Fortgesetzter Nikotinabusus
Von fortgesetztem Nikotinabusus sprechen Ärzte, wenn das Rauchen trotz medizinischer Empfehlung zur Entwöhnung oder nach bereits eingetretenen Gesundheitsschäden weitergeführt wird. Der Kern ist: Das Verhalten setzt sich fort, obwohl klare Warnzeichen vorliegen. Hat Ihr Arzt Ihnen z. B. wegen Asthma oder Bluthochdruck zum Aufhören geraten und Sie rauchen weiter, kann dieser Begriff in Ihrer Akte erscheinen. Er signalisiert, dass Nikotin ein aktives Gesundheitsrisiko darstellt und eine intensivere Entwöhnungsunterstützung sinnvoll wäre.
Z.n. Nikotinabusus (Zustand nach)
Die Abkürzung Z.n. steht für Zustand nach – der Eintrag „Z.n. Nikotinabusus" zeigt, dass Nikotinkonsum früher bestand, inzwischen aber beendet wurde. Haben Sie beispielsweise 20 Jahre geraucht und vor zwei Jahren damit aufgehört, kann dieser Vermerk in Ihrer Akte stehen. Er hält Ihre medizinische Vorgeschichte vollständig fest: Die frühere Rauchhistorie kann das Risiko für Lungenkrebs, COPD oder Herzkrankheiten nach wie vor erhöhen, weshalb Ärzte sie bei Vorsorgeuntersuchungen berücksichtigen. Gleichzeitig zeigt der Eintrag, dass Sie erfolgreich aufgehört haben – Ihr Körper hat bereits begonnen, sich zu erholen.
Lesen Sie auch, wie viele Nikotinbeutel pro Tag bei einem Umstieg auf rauchfreie Alternativen empfohlen werden.
Hier eine Übersicht der Begriffe und des jeweiligen Rauchstatus:
| Bezeichnung im Befund | Bedeutung | Raucht die Person noch? |
| Chronischer Nikotinabusus | Langandauernder, täglicher Konsum | Ja |
| Fortgesetzter Nikotinabusus | Konsum trotz ärztlicher Empfehlung zur Entwöhnung | Ja |
| Z.n. Nikotinabusus | Früherer Nikotinabusus, inzwischen beendet | Nein |
Packungsjahre erklärt: Was bedeuten 20 PY, 30 PY und 40 PY?
Packungsjahre (englisch: pack years, abgekürzt PY) sind die medizinische Maßeinheit zur Quantifizierung der Rauchbelastung über die Lebenszeit. Der Wert beeinflusst sowohl die Risikoeinschätzung für Folgeerkrankungen als auch die Berechtigung zur Teilnahme an Früherkennungsprogrammen.
So berechnen Sie Ihre Packungsjahre
Die Formel ist einfach:
Packungsjahre = (Schachteln pro Tag) × (Raucherjahre)
Eine Schachtel enthält 20 Zigaretten. Wenn Sie die Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten kennen, gilt:
Packungsjahre = (Zigaretten pro Tag ÷ 20) × Raucherjahre
Beispiel: Wer 20 Jahre lang täglich eine Schachtel (20 Zigaretten) geraucht hat, kommt auf 1 × 20 = 20 Packungsjahre (20 PY). Wer eine Schachtel täglich über 30 Jahre raucht, erreicht 30 PY. Wer täglich 2 Schachteln über 20 Jahre raucht, kommt auf 40 PY.
Was bedeuten die verschiedenen Packungsjahre-Werte?
Ein höherer PY-Wert steht für eine größere Lebenszeitbelastung und ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen wie COPD, Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) oder Arteriosklerose.
Ab 30 Packungsjahren oder mehr gilt die Rauchhistorie als schwerwiegend. Das Risiko für ein Bronchialkarzinom kann dann 20- bis 30-mal höher liegen als bei Nie-Rauchern.
Für die neue Lungenkrebsfrüherkennung in Deutschland, die voraussichtlich ab April 2026 als gesetzliche Kassenleistung starten soll, gelten folgende Voraussetzungen (Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, G-BA, vom 18. Juni 2025):
- Alter zwischen 50 und 75 Jahren
- Mindestens 25 Raucherjahre (aktives Rauchen oder Rauchstopp vor weniger als 10 Jahren)
- Mindestens 15 Packungsjahre
Wer diese Kriterien erfüllt, kann jährlich eine kostenlose Niedrigdosis-CT-Untersuchung in einer qualifizierten Radiologiepraxis erhalten. Ziel ist die Früherkennung von Lungenkrebs im Stadium, in dem eine Behandlung noch am effektivsten ist.
Lesen Sie auch unseren Vergleich der besten Rauchalternativen zu Zigaretten sowie unseren Ratgeber, ob Nikotinbeutel besser als Vaping sind.
Zur schnellen Orientierung hier eine Übersicht der Packungsjahre-Stufen:
| Packungsjahre (PY) | Konsumniveau | Risikoeinschätzung | Klinische Relevanz |
| 10 PY | Moderater Konsum | Gering bis moderat | Allgemeine Dokumentation |
| 20 PY | Erhebliche Belastung | Moderat | Engmaschigere Kontrolle empfohlen |
| 30 PY | Starker Langzeitkonsum | Hoch | Facharztüberweisung wahrscheinlich |
| 40+ PY | Sehr hohe Belastung | Sehr hoch | Früherkennungsuntersuchung besonders empfohlen |
Was tun, wenn Nikotinabusus in der Akte steht?
Ein Eintrag „Nikotinabusus" ist ein Gesundheitssignal, kein Stempel. Ärzte setzen ihn, um Risiken zu dokumentieren und die weitere Behandlung zu steuern. Welche Schritte sinnvoll sind, hängt von Ihrer Rauchhistorie, Ihrem aktuellen Gesundheitszustand und davon ab, ob Sie noch rauchen.
Medizinische Behandlungsoptionen
Sprechen Sie zunächst offen mit Ihrem Arzt darüber, was der Eintrag für Sie konkret bedeutet. Je nach Ausmaß und Dauer des Konsums sowie vorliegenden Symptomen ergibt sich ein individueller Plan.
Verhaltenstherapie gilt als eine der wirksamsten Methoden bei Nikotinabhängigkeit. Sie hilft dabei, Auslöser des Rauchens zu erkennen und neue Verhaltensmuster zu entwickeln. In Deutschland bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter dem Angebot rauchfrei.de strukturierte Unterstützung zur Rauchentwöhnung an.
Nikotinersatzprodukte wie Pflaster, Kaugummis oder Lutschtabletten liefern dem Körper kontrollierte Nikotinmengen ohne die schädlichen Verbrennungsprodukte des Zigarettenrauchs – dies ist die sogenannte Nikotinersatztherapie (NET). Ihr Arzt kann zudem Medikamente wie Vareniclin oder Bupropion empfehlen, die das Rauchverlangen reduzieren. Wichtig: Diese Arzneimittel gelten in Deutschland als sogenannte Lifestyle-Medikamente und werden von gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstattet. Die Kosten fallen damit in der Regel selbst an – sprechen Sie Ihren Arzt auf aktuelle Möglichkeiten und ggf. Sonderprogramme an.
Schadensreduktion und rauchfreie Alternativen
Nicht jeder schafft den sofortigen vollständigen Rauchstopp. Für Menschen, die schrittweise reduzieren möchten, gibt es Ansätze zur Schadensminimierung. Lesen Sie unseren Ratgeber, wie Nikotinbeutel funktionieren, um besser zu verstehen, wie diese Produkte Nikotin abgeben. Nikotinabhängigkeit ist eine anerkannte, behandelbare Erkrankung. Mit der richtigen Unterstützung und erprobten Methoden lässt sich der Konsum reduzieren oder beenden.
Ihre nächsten Schritte
Wenn Nikotinabusus in Ihrer Akte steht, nutzen Sie den Eintrag als Anlass, aktiv zu werden. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Rauchhistorie, Ihre Packungsjahre und Ihr persönliches Risiko.
Fällt der vollständige Rauchstopp schwer, kann der Umstieg auf tabakfreie Nikotinbeutel helfen, die Belastung durch Teer und andere Verbrennungsprodukte zu reduzieren.
Häufige Fragen zu Nikotinabusus
Ab wie vielen Zigaretten liegt Nikotinabusus vor?
Es gibt keine festgelegte Mindestanzahl an Zigaretten, die automatisch als Nikotinabusus gilt. Ärzte diagnostizieren ihn auf Grundlage von Häufigkeit, Dauer und nachgewiesenem Gesundheitsschaden. Bereits ein halbes Päckchen täglich kann als schädlicher Gebrauch eingestuft werden, wenn der Konsum nachweislich die Gesundheit beeinträchtigt. Die Diagnose orientiert sich am Schaden, nicht an einer bestimmten Zigarettenzahl.
Kann Nikotinabusus auch durch E-Zigaretten oder Nikotinbeutel entstehen?
Ja. Nikotinabusus umfasst schädlichen Nikotinkonsum aus jeder Quelle, nicht nur aus Zigaretten. E-Zigaretten und tabakfreie Nikotinbeutel vermeiden jedoch die Verbrennung, wodurch die gefährlichsten Nebenprodukte des Rauchens entfallen. Das Gesundheitsrisiko sinkt ohne Verbrennung deutlich. Übermäßige Nikotinzufuhr zählt unabhängig vom Produkt als Nikotinabusus.
Kann Nikotinkonsum im Blutbild nachgewiesen werden?
Ja. Ärzte bestimmen Cotinin – einen Nikotinmetaboliten –, der im Blut, Urin und Speichel messbar ist. Im Blut ist Cotinin 1 bis 3 Tage nach dem letzten Konsum nachweisbar, im Urin bis zu 7 Tage. Dieser Test dient der Bestätigung von Nikotinabusus und der Kontrolle eines Rauchstopps.
Hat Nikotinabusus in der Akte Auswirkungen auf die Krankenversicherung?
Das hängt von der Versicherungsart ab. Gesetzliche Krankenversicherungen (GKV) berücksichtigen den Eintrag in der Regel nicht für Beitragsberechnungen. Private Krankenversicherungen (PKV) können ICD-10-Codes wie F17 bei Neuanträgen oder Beitragsanpassungen heranziehen. Klären Sie mit Ihrem Arzt, welcher Code vergeben wurde, und sprechen Sie bei Bedarf mit Ihrer Versicherung.
Was ist der Unterschied zwischen Nikotinabusus und Tabakabusus?
Nikotinabusus bezieht sich auf Nikotin als Wirkstoff. Tabakabusus hingegen betrifft Tabakprodukte insgesamt und damit alle toxischen Inhaltsstoffe, die beim Rauchen inhaliert werden – darunter Schwermetalle und Karzinogene. Bei Zigarettenrauchern werden beide Begriffe häufig synonym verwendet. Bei nikotinhaltigen Produkten ohne Tabak – wie Nikotinbeuteln oder E-Zigaretten – ist die Unterscheidung jedoch relevant.
Spielt Nikotinabusus vor einer Operation eine Rolle?
Ja. Rauchen beeinträchtigt die Wundheilung, erhöht das Infektionsrisiko und verändert die Reaktion auf Narkosemittel. Chirurgen empfehlen, 4 bis 6 Wochen vor einem geplanten Eingriff mit dem Rauchen aufzuhören. Aktiver Nikotinabusus in der Patientenakte – insbesondere chronischer oder fortgesetzter Abusus – veranlasst das chirurgische Team, die Risikoeinschätzung und den Behandlungsplan entsprechend anzupassen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder eine qualifizierte medizinische Fachkraft.